MD-006Medien und Netz
Fernsehempfang über Satellit, Kabel und Netz
Satellit, Kabel, Antenne und Streaming im Vergleich: Welche Empfangswege für Haushalte im Wiesental passen und worauf bei Bildqualität zu achten ist.
Die Redaktion von Stromkreis · 8 Min. Lesezeit · Eintrag geprüft am

Satellitenfernsehen bringt Rundfunkprogramme, vor allem Fernsehprogramme, über Satelliten direkt zu dir nach Hause. In Mitteleuropa kommen die Programme zum Beispiel von Astra-Satelliten oder Eutelsat-Satelliten. Für den Empfang brauchst du üblicherweise eine Parabolantenne mit LNB und einen Receiver. Von 34,83 Millionen deutschen Haushalten haben 17,5 Millionen, also circa 50 Prozent, einen solchen Satellitendirektempfang über eine Individualantenne oder eine Gemeinschaftsempfangsanlage mit eigenem Receiver.
Die hier genannten Details hat die Redaktion auf Satellitenrundfunk im Überblick nachgelesen.
Du lernst hier, wie dieser Weg vom Uplink bis zum Receiver funktioniert, welcher Aufwand im Haus entsteht und wo die Bildfehler von früher herkamen. Die Wikipedia-Seite nennt keine Kosten, keinen Aufwand und keine Bildwerte für Kabel, Antenne oder Streaming. Darum erklärt dieser Text den Satellitenweg im Detail, damit du ihn mit deiner Lage im Haus vergleichen kannst.
Was bedeutet Satellitendirektempfang für deinen Haushalt?
Direktempfang heißt, dass deine Antenne das Signal ohne Kabelnetz dazwischen aufnimmt. Du brauchst freie Sicht zum Satelliten und einen eigenen Receiver pro Gerät, bei einer Gemeinschaftsanlage teilst du dir die Antenne mit anderen Parteien im Haus und behältst trotzdem deinen Receiver. Diese Lösung passt zu Häusern, in denen du eine Schüssel anbringen oder mitnutzen kannst und in denen du die Verkabelung bis zum Wohnzimmer legen kannst. Wenn du zur Miete wohnst, kläre zuerst, wo die Schüssel sitzen darf und wie das Kabel ins Zimmer kommt.
Welche Teile brauchst du vom Dach bis zum Receiver?
Die Kette beginnt mit der Parabolantenne und dem steuerbaren Aktivteil, dem LNB. Der LNB setzt die hohen Frequenzen aus dem SHF-Bereich um, weil ein Koaxialkabel bei diesen Frequenzen sehr stark dämpft. Nach der Umsetzung liegen die Signale als SAT-ZF zwischen 950 und 2150 MHz auf dem Kabel. Weiter geht es über eine SAT-ZF-Verteilung oder über ein Einkabelsystem bis zum Satellitenreceiver am Fernseher. Wenn du den Satellitenempfang ausrichten willst, hilft dir die Anleitung zu Schüssel, LNB und Signal bei der praktischen Arbeit auf dem Dach und am Mast.
Warum kommt das Signal erst mit Verzögerung an?
Das Signal läuft vom Sender zur Uplinkstation, von dort zum Satelliten und vom Satelliten zurück zu deiner Antenne. Allein dieser Weg erzeugt eine Verzögerung zwischen 239 ms am Äquator und 270 ms auf dem 70. Breitengrad gegenüber dem ausgesendeten Signal. Beim digitalen Empfang kommen weitere Schritte dazu. Die MPEG-2- oder MPEG-4-Kodierung sortiert Bilder um und bildet Differenzen zu anderen Bildern. Dazu kommen das Multiplexen und die Pufferung, also das Abfangen von Datenratenspitzen und das Aufteilen der Datenrate zwischen mehreren Sendern eines Transponders. Üblich ist beim digitalen Satellitenempfang daher eine bis fünf Sekunden Verzögerung.
Wie fand das Fernsehen den Weg auf den Satelliten?
Schon 1928 beschrieb der österreichische Raumfahrttheoretiker Herman Potočnik die geostationäre Position in einem schmalen Streifen über dem Äquator, auf der Satelliten in 35.800 km Höhe scheinbar stillstehen. Die damalige UdSSR startete 1965 das Orbita-Übertragungssystem, das ab 1967 mit 25 Satelliten voll verfügbar war. Die Satelliten sendeten im Bereich von 3,4 bis 4,1 GHz für Fernsehen und 0,8 bis 1,0 GHz für Telefonie. Der Uplink erfolgte von Moskau aus und wurde über die Satelliten verteilt, die das Programm wieder zur Erde zurückstrahlten. Übertragen werden konnten entweder ein Fernsehprogramm oder rund 100 Telefonverbindungen. Um die eher nördlich gelegenen Gebiete der Sowjetunion gut abzudecken, nutzten die Satelliten keinen geostationären Orbit, sondern einen sogenannten Molnija-Orbit. Im Jahr 1976 führte die Sowjetunion mit den Ekran-Satelliten das weltweit erste Satellitenfernsehen für Privathaushalte ein.
Warum teilten sich acht Länder eine Position?
Bei der Weltfunkkonferenz in Genf wurde 1977 ein weltweiter Rundfunk-Satellitenplan beschlossen. Ab dem 1. Januar 1979 galt eine Vereinbarung mit 15 Jahren Laufzeit, die jedem Land fünf Kanäle für Fernsehen und Radio auf einer Satellitenposition zuteilte. Jede Position sollte sich bis zu acht Länder und damit Satelliten teilen. Die Satelliten sollten in der Orbitalposition mit 6 Grad Abstand über dem Äquator stehen. Eine gemeinsame Position auf 19 Grad West für TV SAT wurde Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Italien, Luxemburg, Österreich und der Schweiz zugewiesen. Mehr zum Satellitenrundfunk im Überblick findest du mit Geschichte und Technik auf der Zielseite. Die Bundesrepublik Deutschland und Frankreich beschlossen am 2. Oktober 1979 in Bonn ein Rahmenabkommen über den Bau zweier staatlicher Fernsehdirektsatelliten vom Typ TV SAT, während Luxemburg sich für ein nichtstaatliches privates Projekt mit SES Astra entschied.
Wann wurde aus Bastelempfang ein Standard für alle?
Die European Telecommunications Satellite Organization Eutelsat wurde 1982 in Frankreich als zwischenstaatliche Organisation gegründet, um eine satellitenbasierte Telekommunikationsinfrastruktur für Europa aufzubauen. Ihre Satelliten hatten damals nur vergleichsweise geringe Sendeleistung und waren nicht zum TV-Direktempfang gedacht, sondern als Zubringer zu terrestrischen Rundfunksendern und Kabelfernsehanlagen. Gemeinsam beschlossen 1984 das deutsche ZDF, der österreichische ORF und das Schweizer SRF die Ausstrahlung von 3sat über Satellit, am 1. Dezember 1984 startete sie über Eutelsat I F1. Im Jahr 1985 kamen neuartige kostengünstige, rauscharme HEMT-LNBs auf den Markt, die zunächst ambitionierten Bastlern den Direktempfang von Eutelsat ECS 1 auf 13 Grad Ost mit vertretbarem Aufwand auch in Privathaushalten ermöglichten. Anfangs war dieser Direktempfang nicht unumstritten, individuelle Anlagen mussten bei der Behörde angemeldet werden, die dann eine laufende Gebühr erhob.
Was änderte sich digital mit DVB-S?
SES Astra verhalf mit Medium-Power-Direktempfangssatelliten dem Satellitenfernsehen in Europa auf breiter Basis zum Durchbruch. Anfang der 1990er Jahre forderte die Deutsche Bundespost, Astra-LNBs noch mit einem zusätzlichen Filter am Eingang auszustatten, da sonst möglicherweise eigene terrestrische Richtfunkstrecken gestört werden könnten. Diese Befürchtung stellte sich später als unbegründet heraus, möglicherweise war die Forderung auch lediglich eine protektionistische Maßnahme. Ab 1994 wurde parallel zum analogen Fernsehen vorerst für Bezahlangebote ein digitaler Weg mit DVB-S eingeführt. Triebfeder waren Sender wie DF1; Leo Kirch ging mit seiner digitalen d-box hohe finanzielle Risiken ein. Populär wurde DVB-S schließlich durch Qualitäts- und Kapazitätsvorzüge, was am 30. April 2012 zur sogenannten Analogabschaltung führte.
Woher kamen Rauschen, Fischchen und stabile Bilder?
Der Träger-Rauschabstand bei Satellitenübertragungen ist sehr niedrig, typisch sind 10 bis 18 dB; das Nutzsignal liegt also nur wenig über dem Grundrauschen zwischen Sender und Empfänger. Bei analoger Übertragung wird das Signal deshalb in der Regel mit Frequenzmodulation störresistenter gemacht; bei digitaler Übertragung kommen nur Verfahren wie 4-PSK, 8-PSK, 16-APSK und 32-APSK in Frage. Derzeitige Satelliten benutzen 4-PSK oder 8-PSK und damit eine Symbolrate von 2 oder 3 Bit pro Symbol. Die spektrale Verteilung eines frequenzmodulierten FBAS-Signales ist etwas ungünstig; bei schwachem Empfang kommen Bilder mit geringer Farbsättigung noch gut durch, Bilder mit intensiven Rottönen neigen zu sogenannten Fischchen aus schwarzen und weißen Schmierern. Das in den 1980er Jahren entwickelte analoge D2-MAC-Verfahren arbeitet ohne Farbunterträger und ist deutlich robuster, besonders in nördlichen Ländern fand es großen Zulauf. Mit den Fehlerkorrektur-Verfahren von DVB-S konnten diese Empfangsprobleme vollständig überwunden werden. Das Kanalraster liegt bei 29,5 MHz wie bei Astra 1F; die Bänder für horizontale und vertikale Polarisierung sind um das halbe Raster verschoben, im Low-Band von 10,7 bis 11,9 GHz lagen vorwiegend analoge FM-Sender neben einzelnen digitalen DVB-S-Signalen, zum Beispiel mit 8-PSK.
Wie läuft Senden und Verteilen im Haus konkret?
Die Signale gehen von einer Uplinkstation auf Uplinkfrequenzen von 12,75 bis 13,25 GHz, 13,75 bis 14,5 GHz und 17,3 bis 18,1 GHz zum Satelliten. Für jeden Transponder gibt es eine eigene Sendeeinheit mit Parabolantenne. Diese Anlagen stehen in Uplinkstationen, die entweder dem Satellitenbetreiber gehören und den Uplink für Kunden übernehmen, oder die Kunden als Sendeanstalten betreiben eigene Anlagen. Das lohnt sich besonders für große Anstalten mit mehreren Transpondern, weil sie die Strecke zur Station des Betreibers sparen. Der Satellit sendet auf Downlinkfrequenzen von 10,7 bis 11,7 GHz im Low-Band und 11,7 bis 12,75 GHz im High-Band zu den Empfangsantennen. Plane die Wege im Haus früh, wenn du die Elektroinstallation im Haus verstehen willst und wenn du das Heimnetzwerk einrichten möchtest, damit Strom, Antennenkabel und Datenkabel sich nicht behindern.
Hörst du auch Radio über Satellit?
Satellitenradio gibt es eigenständig als Digitalradio oder als Untermieter beim Satellitenfernsehen. In Europa sind nur sehr wenige private Hörfunkveranstalter über Satellit zu empfangen. Lokale oder regionale Privatsender, die in ihren Gebieten oft Marktführer sind, sehen die teure europaweite Ausstrahlung als unwirtschaftlich an. Oft nutzen Anbieter den Satelliten nur für die Signalzuführung der UKW-Sender. Anders sieht es in dünn besiedelten Gebieten aus. In den USA bietet das Unternehmen Sirius XM Radioempfang über Satellit an; die Gebühren liegen bei durchschnittlich 15 Dollar im Monat, in Städten mit hohen Häusern übernehmen teilweise Pseudoliten die Ausstrahlung. Im Ku-Band brauchst du Schüssel, LNB und Receiver, im L-Band reicht eine im Empfänger integrierte Antenne mit Sichtverbindung zum Satelliten. Über Satellit sind hunderte deutsche und europäische Sender frei und kostenlos zu empfangen, dazu gibt es Pay-Radio-Anbieter mit speziellen Musikrichtungen im Abonnement. Am 19. August 2005 um 14:44 Uhr nahm die ARD auf Astra 19,2 Grad Ost den Hörfunktransponder in Betrieb, seitdem sind praktisch alle deutschen öffentlich-rechtlichen Hörfunkprogramme der ARD in sehr hoher Qualität zu empfangen, gesendet wird in DVB-S-Norm. Eingestellt sind Astra Digital Radio und Radio auf analogen Tonunterträgern jeweils seit dem 30. April 2012, Worldspace in Europa und Asien seit 2008, digitales Satellitenradio DSR in Deutschland seit dem 16. Januar 1999 und CS PCM in Japan nach Start im Juni 1992 seit dem 31. Juli 2011, während SDARS als Bezahl-Satellitenradio in Nordamerika mobil mit Patch-Antenne empfangen werden kann. Prüfe an deinem Receiver, welche Hörfunkprogramme auf deinem genutzten Transponder liegen, lege eine eigene Favoritenliste nur für Radio an und teste den Klang über deine Anlage im Wohnzimmer.
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